Sind Birkenstocks wirklich so unschlagbar gesund?

Birkenstock-Sandalen sind für ihr anatomisch geformtes Fußbett bekannt, das den natürlichen Abdruck eines Fußes im Sand nachahmt. Dieses Design zielt darauf ab, den Fuß zu stützen und den Tragekomfort zu erhöhen. Doch Menschen berichten auch über Schmerzen nach dem Tragen der Sandalen.

Birkenstock-Sandalen, ausgezogen am Strand
Birkenstocks sind nicht nur im Sommer beliebt (Foto: Ellena McGuinness/Unsplash)

Für Personen mit gesunden Füßen bieten Birkenstock-Sandalen durch ihre atmungsaktive Korksohle und das eingearbeitete Fußbett eine gute Unterstützung und können die Fußmuskulatur trainieren.

Orthopäden schätzen insbesondere die anatomische Form des Fußbetts, die das Fußgewölbe unterstützt und Druckstellen minimiert. Zudem bietet das Kork-Latex-Material eine effektive Dämpfung, die den Aufprall beim Gehen reduziert und somit die Gelenke entlastet.

Allerdings sind sie nicht für alle Fußtypen geeignet. Bei bestehenden Fußfehlstellungen oder Instabilitäten können sie unter Umständen nicht die notwendige Korrektur bieten und sollten daher mit Vorsicht getragen werden.

Schmerzen nach dem Tragen

Ein Grund für Schmerzen an den Füßen kann die Einlaufphase sein, die viele Nutzer zunächst durchlaufen müssen. In den ersten Wochen können die Schuhe unbequem sein und Schmerzen verursachen, da sich die Füße erst an das spezielle Fußbett gewöhnen müssen.

Das charakteristische Fußbett der Birkenstocksandale (bereits 1774 in Hessen gegründet) kann für manche Füße problematisch und ungesund sein. Der Zehengreifer vorne kann Druckstellen verursachen, und das harte Fußbett ist nicht für jeden angenehm. Zudem spielt die Passform eine entscheidende Rolle: Eine falsche Größe oder Breite kann zu Schmerzen führen, da Birkenstocks weder zu klein noch zu eng sein sollten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die individuelle Fußform. Nicht jeder Fuß ist für Birkenstocks geeignet, da die Schuhe die Füße in eine bestimmte Form pressen können, was zu Beschwerden führen kann.

Was sagt die Wissenschaft?

Es gibt derzeit keine umfassenden wissenschaftlichen Studien, die die gesundheitlichen Vorteile von Birkenstock-Sandalen eindeutig belegen. Experten wie der Fußspezialist und Sportorthopäde Professor Christoph Lutter weisen darauf hin, dass aussagekräftige Studien fehlen, die die beworbenen Eigenschaften des Fußbetts bestätigen.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Tragen von Schuhen mit vorgeformtem Fußbett, wie bei Birkenstock, die Fußmuskulatur weniger beanspruchen kann. Einige Experten empfehlen daher, regelmäßig barfuß zu gehen, um die natürliche Fußmuskulatur zu stärken und einer möglichen Schwächung durch ständige Unterstützung entgegenzuwirken.

Es ist wichtig, die individuelle Fußform und eventuelle orthopädische Bedürfnisse zu berücksichtigen. Bei Unsicherheiten empfiehlt es sich, einen Facharzt oder Orthopäden zu konsultieren, um festzustellen, ob Birkenstock-Schuhe für die eigenen Füße geeignet sind.

Barfußschuhe als Alternative

Barfußschuhe können eine gesunde Alternative zu Birkenstock-Sandalen sein, da sie eine andere Philosophie verfolgen und je nach individuellen Bedürfnissen möglicherweise besser geeignet sind. Während Birkenstock-Sandalen mit ihrem festen, vorgeformten Fußbett Stabilität und Unterstützung bieten, zielen Barfußschuhe darauf ab, die natürliche Bewegung des Fußes zu fördern.

Mit ihrer extrem dünnen, flexiblen Sohle und einer breiten Zehenbox ermöglichen Barfußschuhe eine natürliche Abrollbewegung des Fußes und lassen den Zehen Raum, sich zu spreizen. Dadurch wird die Fußmuskulatur stärker beansprucht und trainiert, was langfristig zur Vorbeugung von Fehlstellungen wie Hallux valgus beitragen kann.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Belastung und Dämpfung. Während Birkenstock-Sandalen mit ihrer Kork-Latex-Sohle eine feste Dämpfung bieten, die die Gelenke entlastet, verzichten Barfußschuhe weitgehend auf Dämpfung, um dem Fuß einen direkteren Kontakt zum Untergrund zu ermöglichen.

Dies fördert die Sensibilität und stärkt die natürliche Stoßdämpfungsfunktion des Fußes. Barfußschuhe sind besonders geeignet für Menschen, die ihre Fußmuskulatur aktiv stärken und die natürliche Bewegung ihrer Füße unterstützen möchten. Allerdings erfordern sie eine Eingewöhnungszeit, vor allem für diejenigen, die stark gedämpfte Schuhe gewohnt sind.

Birkenstock-Schuhe hingegen bieten Komfort und Entlastung, insbesondere für Menschen mit bestehenden Fußproblemen wie Fersensporn oder Plattfüßen. Ihre feste Form kann jedoch dazu führen, dass die Fußmuskulatur weniger beansprucht wird, was auf Dauer die natürliche Funktion des Fußes einschränken könnte.

Für viele Menschen könnte eine Kombination aus beiden Optionen ideal sein: Barfußschuhe für den aktiven Alltag und Birkenstock-Sandalen für Phasen der Erholung und Stabilität. Welche Wahl besser ist, hängt letztlich von den individuellen Anforderungen und der Fußgesundheit ab.