Ein Knochenbruch im Fuß, den man selbst nicht bemerkt? Was wie ein medizinisches Kuriosum klingt, ist für viele Menschen mit Diabetes eine reale Gefahr.

Der sogenannte Charcot-Fuß, eine schwere Komplikation infolge einer diabetischen Polyneuropathie, bleibt oft lange unentdeckt – und kann unbehandelt zur Deformierung des Fußes oder gar zur Amputation führen.
Der Charcot-Fuß, medizinisch auch als diabetisch-neuropathische Osteoarthropathie (DNOAP) bezeichnet, betrifft vor allem Menschen mit langjährigem Diabetes mellitus. Ursache ist eine Nervenschädigung infolge dauerhaft erhöhter Blutzuckerwerte. Die Folge: Schmerzen, die normalerweise vor Überlastung oder Verletzungen warnen, bleiben aus. Ein kleiner Riss oder Bruch im Fuß wird nicht bemerkt, die Belastung geht weiter, das Skelett des Fußes nimmt zunehmend Schaden.
Symptome: Vieles sichtbar, nichts spürbar
Die Erkrankung beginnt oft schleichend. Typische Anzeichen sind Rötungen, Überwärmung, Schwellungen und eine auffällige Veränderung der Fußform. Schmerzen empfinden Betroffene jedoch meist nicht. Auch ein Gefühl von Instabilität, Kribbeln oder Taubheit kann auf einen beginnenden Charcot-Fuß hindeuten. Gerade weil die Warnzeichen nicht eindeutig sind, ist die tägliche Kontrolle der Füße für Diabetiker unverzichtbar.
Diagnose und Therapie: Schnell handeln ist entscheidend
Wird ein Charcot-Fuß vermutet, sollte rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen – idealerweise in einer spezialisierten diabetologischen Fußambulanz. Dort stehen bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT zur Verfügung, um die Diagnose abzusichern. Wichtigster Schritt in der Behandlung ist die sofortige Entlastung des betroffenen Fußes: Gipsverbände oder spezielle Orthesen helfen, die Schädigung zu stoppen.
Die Ruhigstellung dauert in der Regel acht bis zwölf Wochen, nicht selten auch länger. Ergänzend kommen schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Nach der Akutphase erfolgt die Versorgung mit individuell angepassten orthopädischen Schuhen.
Ursachen: Vieles noch unklar
Warum es genau zum Charcot-Fuß kommt, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Neben der diabetischen Neuropathie gelten auch Alkoholmissbrauch oder bestimmte Medikamente als Risikofaktoren. Auch eine genetische Veranlagung könnte eine Rolle spielen.
Laut Fachgesellschaften wird die Diagnose in Deutschland jährlich etwa 10.000 Mal gestellt. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da die Erkrankung im frühen Stadium oft übersehen wird.
Vorbeugung: Wachsamkeit ist der beste Schutz
Der beste Schutz vor einem Charcot-Fuß ist die Aufmerksamkeit für die eigenen Füße. Wer an Diabetes leidet, sollte sie täglich kontrollieren, auf Druckstellen, Rötungen, Temperaturveränderungen und Schwellungen achten. Bei Auffälligkeiten gilt: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig zum Arzt. Regelmäßige Kontrollen beim Podologen und in der diabetologischen Praxis ergänzen die Eigenverantwortung.
