Diabetes mellitus, auch als Zuckerkrankheit bekannt, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte (Hyperglykämie) gekennzeichnet ist.

Es gibt verschiedene Formen, wobei Typ-1-Diabetes meist auf eine Autoimmunreaktion zurückzuführen ist und Typ-2-Diabetes häufig durch ungesunde Lebensgewohnheiten und Insulinresistenz entsteht. Unbehandelt kann Diabetes zu schweren Folgeerkrankungen wie Diabetischer Fuß, Herz-Kreislauf-Problemen, Nierenschäden oder Sehverlust führen.
Was ist Diabetes mellitus?
Die Grundbausteine der Nahrung – Kohlenhydrate (z.B. Stärke in Kartoffeln, Zuckerstoffe), Fette (z.B. Butter, Speiseöl, Margarine, Schmalz) und Eiweiße (z.B. Fleisch und Fisch) – werden durch die Verdauungssäfte in ihre kleinsten chemischen Bestandteile zerlegt. Nur diese kann der Körper aufnehmen. Durch die Darmwand gelangen sie in die Blutbahn. Das Blut transportiert diese Bausteine in die Leber und anschließend in die Zellen des gesamten Körpers.
Sie dienen dort als Baustoffe zum Aufbau der Körperstellen oder als Energielieferanten. So entstehen zum Beispiel aus den Kohlenhydranten der Nahrung Einfachzucker (Glukose oder Traubenzucker), die im Blutstrom zu den Körperstellen, unseren Organen und den Muskeln gelangen und die erforderliche Energie zum Leben liefern.
Der Mensch benötigt also Zucker im Blut als Energielieferant. Aber: Der Körper kann ihn nur verwerten, wenn das Hormon Insulin in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Insulin wirkt wie ein Schlüssel, mit dessen Hilfe der Zucker in die Körperstelle gelangt.
Was ist Insulin?
Wie schon erwähnt: Insulin ist ein Hormon. Hormone sind vom Körper selbst hergestellte Substanzen, die für die Steuerung von Stoffwechselvorgängen unerlässlich sind.
Insulin wird in den B-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet und steuert den Zuckerstoffwechsel. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es zum einen den Abtransport des Zuckers in die Körperstellen und zum anderen die Umwandlung überschüssigen Zuckers in Speicherenergie fördert. So entstehen in der Leber und der Muskulatur Speicherkohlenhydrate (=Glykogen) bzw. wird der Zucker in Fett umgewandelt und im Fettgewebe gespeichert. Bei sehr hohem Energiebedarf (z.B. schwere körperliche Arbeit, Sport) können diese Reserven mobilisiert werden.
Kohlenhydrate lassen den Blutzucker ansteigen. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel.
Nach der Nahrungsaufnahme und Verdauung steigt der Zuckergehalt des Blutes an. Ein hoher Blutzucker signalisiert der Bauchspeicheldrüse, Insulin abzugeben. Beim gesunden Menschen stehen Zucker und Insulin in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, d.h. je höher der Blutzucker, um so mehr Insulinausschüttung zur Normalisierung des Blutzuckers.
Der Normbereich des Blutzuckers beträgt nüchtern, d.h. morgens vor dem 1. Frühstück, zwischen 60 und 100 mg/dl (3,3 bis 5,5 mmol/l). Nach den Mahlzeiten, d.h. 1 bis 2 Stunden nach der Nahrungsaufnahme, steigt er an, aber gewöhnlich nicht über 140 mg/dl (7,8 mmol/l).
Beim Diabetiker ist zu wenig oder kein Insulin bzw. unzureichend wirkendes Insulin vorhanden, deshalb steigt der Zucker im Blut stärker an.
Steigt der Blutzucker zu hoch an, wird ein Teil dieses überhöhten Blutzuckers über die Nieren ausgeschieden, und es erscheint der sogenannte Harnzucker. Der Wert des Blutzuckerspiegels, bei dem es zur Ausscheidung von Harnzucker kommt, heißt Nierenschwelle. Sie liegt meist zwischen 160 und 180 mg/dl (9-10 mmol/l). Gleichzeitig mit der Zuckerausscheidung vermehrt sich die Harnmenge, da der Zucker das Wasser aus dem Körper „herauszieht“.
So erklären sich die Beschwerden des unbehandelten Diabetikers:
- häufiges und reichliches Wasserlassen
- Durst
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsschwäche (den Zellen fehlt die nötige Energie)
- trockene Haut, Juckreiz
Man unterscheidet hauptsächlich zwei verschiedene Ursachen und damit zwei Diabetestypen, deren gemeinsames Merkmal der erhöhte Blutzucker.
Als Typ I bezeichnet man den Diabetiker, bei dem die Insulinproduktion vollständig oder stark eingeschränkt ist (absoluter Insulinmangel). Die Krankheit beginnt vorwiegend im Kindes- und Jugendalter sowie bei jüngeren Erwachsenen (gewöhnlich bis zum 35. Lebensjahr). Die meist schlanken Patienten müssen von der Feststellung des Diabetes an Insulin spritzen, d.h. sie sind „insulinabhängig“.
Der Insulinmangel beim Typ I entsteht durch starke Schädigung der insulinherstellenden B-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Häufig geht dem Ausbruch des Diabetes eine Virusinfektion voraus, gelegentlich auch eine außergewöhnliche Stresssituation.
Der Prozess der Zerstörung der B-Zellen verläuft über eine gewisse Zeit unbemerkt, da die Bauchspeicheldrüse über große Reserven verfügt. Ist ein bestimmtes Maß der Schädigung erreicht, entwickelt sich der TYP-I-Diabetes schnell – meist über wenige Wochen oder Monate.
Der Typ II-Diabetes, früher Altersdiabetes bezeichnet, tritt im mittleren, insbesondere aber im fortgeschrittenen Lebensalter auf. Der Typ II ist mit ca. 90 Prozent der häufigere Typ. Kennzeichen ist das Übergewicht bei der Mehrzahl der Patienten (Typ IIb). Nur ca. 20 Prozent der Typ Ii-Diabetiker haben annhähernd normales Körpergewicht (Typ IIa).
Die Krankheit entwickelt sich wesentlich langsamer als beim Typ I.
Typ II-Diabetiker brauchen zunächst meistens kein Insulin zu spritzen, sie sind „insulinabhängig“. Ursache ist hier nicht die Schädigung der B-Zelle und der schwere Insulinmangel, sondern es liegt eine unzureichende Wirkung des Insulins und daher ein relativer Insulinmangel vor. Die Bauchspeicheldrüse produziert eigentlich genügend Insulin, aber der Einstrom des Blutzuckers in die Zellen der meisten Körperorgane (Muskulatur, Leber, Fettgewebe) ist gestört. Man nennt dies Insulinresistenz. Um das zu beheben, wird mehr Insulin als normal benötigt. Die B-Zellen der Bauchspeicheldrüse werden überfordert, und die Funktion der Bauchspeicheldrüse nimmt almählich ab.
Für die Entstehung des Typ II-Diabetes werden neben der erblichen Veranlagung folgende auslösende Faktoren hauptsächlich verantwortlich gemacht:
- Fehlernährung mit Übergewicht und Fettsucht
- Bewegungsmangel
- Stressfaktoren (Infekte, Operationen, andere akute Erkrankungen)
- Medikamente (z.B. Kortison)
Insbesondere das Übergewicht fördert die Entstehung des Typ II-Diabetes. Durch Verhinderung von Übergewicht kann in vielen Fällen der Ausbruch der Krankheit vermieden oder zeitlich verschoben werden. Etwa 80 Prozent der Typ II-Diabetiker sind übergewichtig und haben oft gleichzeitig einen erhöhten Blutdruck und erhöhte Blutfette.
Eine Gewichtsabnahme durch eine geeignete Kost führt häufig zur Abnahme der Insulinresistenz und Normalisierung des Blutzuckers.
Behandlung des Diabetes mellitus
Die Behandlung des Diabetes bedeutet eine Dauerbehandlung, da der Diabetes eine lebenslange Erkrankung ist.
Ziele der Behandlung sind:
- körperliches und seelisches Wohlbefinden, Linderung von Krankheitszeichen
- Verhütung kurzfristiger Komplikationen (Über- und Unterzuckerung) und langfristiger Komplikationen (Folgeschäden)
- möglichst uneingeschränkte Lebensqualität und Leistungsfähigkeit
Wann ist ein Stoffwechsel gut eingestellt?
Unter einer guten Stoffwechsellage versteht man Blutzuckerwerte, die den Normalwerten nahe kommen. Sie sollten mit ihrem behandelnden Arzt das individuelle Behandlungsziel besprechen.
Der Harn ist möglichst zuckerfrei zu halten.
Der HbA1c-Wert („verzuckerter roter Blutfarbstoff“) lässt eine rückschauende Beurteilung der mittleren Blutzuckerlage über einen Zeitraum von ca. 6 Wochen zu.
HbA1c-Werte beim Typ I-Diabetes von unter 7 Prozent und beim Typ II-Diabetes von unter 8 Prozent sprechen für eine ausreichende Stoffwechseleinstellung.
Wie ist das Behandlungsziel zu erreichen?
Die Grundlage jeder Diabetestherapie ist die konsequente Einhaltung der richtigen Ernährung. Die Diabetes-Kost ist keine Diät im eigentlichen Sinne, sondern entspricht weitestgehend einer gesunden und vollwertigen Ernährung.
Regelmäßige leichte körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf den Stoffwechsel und auf den gesamten Körper aus. Erst wenn eine alleinige Behandlung mit Diabetes-Kost und die zusätzliche Gewichtsreduktion nicht zu gewünschten Erfolg geführt haben, werden beim Typ II-Diabetes Medikamente notwendig.
Voraussetzung für die Behandlung mit Medikamenten ist, dass noch körpereigene Insulinreserven vorhanden sind. Welches Medikament das richtige ist, muss ausschließlich mit dem Arzt besprochen werden.
