Wie der richtige Gang Gelenke schützt und Schmerzen lindern kann

Gehen ist eine alltägliche Bewegung – und doch hochkomplex. Viele Menschen setzen ihre Füße falsch auf, schlurfen oder belasten den Körper einseitig. Die Folge können Knie- und Hüftschmerzen, Fehlhaltungen oder sogar Arthrose sein. In Rehakliniken wird gezielt daran gearbeitet, den Gang zu korrigieren – mit erstaunlichen Erfolgen.

Laufschuhe mit Mittelsohle (Symbolbild: AI generated)

In der Bremer Mediclin Reha-Klinik lernen Patienten nach Gelenkoperationen, ihr Gehen neu zu trainieren. Dabei geht es um mehr als nur das Setzen eines Schritts: Der Fuß soll mit der Ferse beginnen, sanft abrollen und über den großen Zeh abstoßen. Die Arme schwingen locker mit, die Haltung bleibt aufrecht. Auch Schrittlänge und Rhythmus sind entscheidend. Zu kurze Schritte erhöhen die Sturzgefahr, zu lange belasten Knie und Hüfte unnötig.

Übungen auf unebenem Boden, Slalomstrecken oder Balancierübungen helfen, Gleichgewicht und Koordination zu verbessern. „Jeder Gangfehler wirkt sich auf das gesamte Skelett- und Muskelsystem aus“, erklärt Chefärztin Kerstin Gliesche. Fehlbelastungen können Muskelverkürzungen, chronische Schmerzen oder Gelenkverschleiß verursachen.

Folgen eines falschen Gangs

Wird der Fuß platt aufgesetzt, treffen Ferse, Mittelfuß und Zehen gleichzeitig auf. Das überträgt die Stoßkräfte ungedämpft auf Sprung-, Knie- und Hüftgelenke sowie die Wirbelsäule. Gleichzeitig wird die Fußmuskulatur überlastet, während die Wadenmuskeln kaum beansprucht werden. Betroffene ermüden schneller, klagen über Rückenschmerzen oder entwickeln Arthrose durch dauerhafte Fehlbelastung.

Oft bemerken Betroffene selbst ihre Gangfehler nicht – Partner oder Freunde machen auf Schlurfen oder Humpeln aufmerksam. Eine professionelle Ganganalyse durch Physiotherapeuten oder Orthopäden ist daher sinnvoll.

Schuhe, Einlagen und Einflüsse

Neben gezieltem Training spielt auch das richtige Schuhwerk eine große Rolle. Bequeme Schuhe mit stabilem Halt unterstützen den natürlichen Bewegungsablauf. Bei Fehlstellungen wie Senk- oder Spreizfuß können orthopädische Einlagen sinnvoll sein. Unterschiede in der Beinlänge lassen sich mit Erhöhungen im Schuh ausgleichen. Wer häufig hohe Absätze getragen hat, kann mit Abrollschuhen zurück zu einem gesünderen Gang finden.

Schritt für Schritt zur besseren Haltung

Ein bewusst trainierter Gang wirkt sich positiv auf den gesamten Bewegungsapparat aus. Stoßkräfte werden abgefedert, Gelenke geschont, Muskeln gestärkt. Patienten berichten, dass Schmerzen abnehmen und die Beweglichkeit zurückkehrt. Auch die Haltung verbessert sich.

Orthopäden raten dazu, den eigenen Gang immer wieder bewusst zu beobachten: Rolle ich sauber ab? Schwingen die Arme gleichmäßig? Trete ich zu hart auf? Wer regelmäßig übt, speichert die richtige Bewegung im Gedächtnis und verinnerlicht den natürlichen Gang. So kann ein gezieltes Gehtraining helfen, Beschwerden zu lindern und langfristig vorzubeugen.