Ein Paar neue orthopädische Schuhe wurde für einen britischen Mann zur Tragödie – am Ende musste er sich von vier Zehen verabschieden. Nun warnt er andere Betroffene.

Es sollte ein glücklicher Tag werden: Zur Hochzeit am 27. Juli 2019 ließ sich Martin Ralph neue orthopädische Schuhe anfertigen. Doch schon bei der Anprobe wurde ihm klar, dass etwas nicht stimmte. „Ich habe ihnen direkt gesagt, dass sie zu klein waren“, berichtet der Mann gegenüber der „New York Post“. Dennoch wurde er mehrfach mit dem Hinweis weggeschickt, die Schuhe müssten nur „eingetragen“ werden.
Schmerzen ignoriert – mit dramatischen Folgen
Ralph, der aufgrund seiner Vorerkrankungen bereits Erfahrung mit orthopädischem Schuhwerk hatte, versuchte den Rat der Spezialistin zu befolgen – unter Schmerzen. „Es war ein Kampf. Immer wenn ich nach Hause kam, war es eine Erleichterung, die Schuhe endlich auszuziehen.“ Nach dem Hochzeitstag bildete sich am Fuß eine Blase, die sich entzündete. Der große Zeh schwoll stark an – und es folgten medizinische Komplikationen.
Der Patient litt an Diabetes, was die Durchblutung und Wundheilung beeinträchtigte. Antibiotika wirkten nicht mehr. Schließlich musste der große Zeh amputiert werden. Doch damit war es nicht getan: In den folgenden vier Jahren wurden Ralph drei weitere Zehen entfernt.
„Es hätte so leicht verhindert werden können“
Der Eingriff hinterließ nicht nur körperliche, sondern auch seelische Spuren. „Den Zustand meines Fußes zu sehen, ist wahnsinnig aufwühlend“, so Ralph. Am meisten belaste ihn der Gedanke, dass sein Leid vermeidbar gewesen wäre. Aus diesem Grund hat er sich entschieden, seine Geschichte öffentlich zu machen. Er wolle andere Menschen sensibilisieren und davor warnen, gesundheitliche Bedenken auf die leichte Schulter zu nehmen – auch nicht auf ärztlichen Rat hin.
Die Geschichte von Martin Ralph ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie wichtig sorgfältige medizinische Diagnostik, aber auch das Vertrauen in das eigene Körpergefühl ist. Für ihn bedeutete eine scheinbar banale Anpassung von Schuhen den Beginn eines langwierigen Leidenswegs.
Fachliche Einordnung
Hier eine fachliche Einordnung und Prüfung der zentralen Punkte:
1. Zu enge Schuhe und Druckstellen
Das Tragen von zu engen Schuhen – insbesondere bei Menschen mit Diabetes – kann ernste gesundheitliche Folgen haben. Druckstellen, Blasen oder Druckulzera entstehen leichter, da das Gewebe durch die schlechte Durchblutung und Nervenstörungen (diabetische Neuropathie) weniger belastbar und weniger schmerzempfindlich ist. Schmerzen werden oft zu spät oder gar nicht wahrgenommen.
2. Diabetes, Wundheilungsstörungen und Amputation
Diabetiker leiden häufig unter Mikroangiopathien (Schädigungen der kleinen Blutgefäße) und einer gestörten Immunantwort. Entzündungen und Infektionen heilen bei ihnen deutlich schlechter. Selbst kleine Hautverletzungen oder Blasen können sich bei fehlender Behandlung zu chronischen Wunden entwickeln. Wird die Wunde infiziert und das Gewebe stirbt ab (Nekrose), ist eine Amputation oft der letzte Ausweg. Laut Studien enden jährlich rund 40.000 diabetische Fußsyndrome in Deutschland in einer Amputation – der Zusammenhang ist also real.
3. Fehlversorgung durch orthopädisches Schuhwerk
Auch medizinisch verordnete orthopädische Schuhe können Probleme bereiten, wenn sie nicht passgenau gefertigt oder unzureichend angepasst werden. Wenn der Patient bereits bei der Anprobe über Schmerzen klagt und dennoch zum „Eintragen“ gedrängt wird, ist das aus medizinischer Sicht nicht vertretbar, vor allem nicht bei Hochrisikopatienten mit Diabetes.
4. Folgeamputationen nach Erstamputation
Nach einer ersten Zehenamputation kommt es bei Diabetikern nicht selten zu weiteren Eingriffen, weil die mechanische Belastung auf andere Zehen steigt und die Durchblutung oft systemisch eingeschränkt ist. Dies kann zu neuen Druckstellen, Ulzera und Infektionen führen.
