Auf den ersten Blick sieht der Apparat aus wie ein gewöhnlicher Umluftofen. Tatsächlich handelt es sich um ein spezialisiertes Thermoheizgerät namens „Formbase“, das im Profisport seit Jahren zum Standard gehört. Damit werden Schuhe erwärmt und direkt danach von den Sportlern angezogen.

Entwickelt wurde das System von der K-tech Konstruktion Automation Produktion GmbH, einem mittelständischen Unternehmen aus Konstanz, das unter anderem im Prototypen- und Sondermaschinenbau tätig ist.
Die Formbase dient der passgenauen Anpassung von Sportschuhen. Eingesetzt wird sie vor allem bei Fußball-, Eishockey- und Skischuhen. Durch kontrolliertes Erwärmen wird das Material der Schuhe flexibel, sodass es sich direkt am Fuß des Sportlers optimal an dessen individuelle Fußform anlegen kann. Laut K-tech kam ein solches Gerät erstmals in den 1990er-Jahren auf den Markt. Im vergangenen Jahr wurde die 30.000. Formbase ausgeliefert.
Standardgerät im Profifußball
Zu den Kunden zählen Vereine, Verbände, Nationalmannschaften sowie einzelne Profisportler. Genannt werden unter anderem der Hamburger SV, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Union Berlin und der FC Augsburg. Auch internationale Unternehmen wie Shimano setzen das System zur Anpassung von Radsportschuhen ein.
Beim Hamburger SV ist die Formbase seit mehreren Jahren im Einsatz. Nach Angaben des Vereins gehört das Gerät inzwischen zum Liga-Standard: In der Deutsche Fußball Liga stellt der Heimverein der Gästemannschaft üblicherweise zwei Heizgeräte zur Verfügung.
Technik mit überschaubarer Komplexität
Die Funktionsweise ähnelt einem Backofen mit Umluft. Abhängig vom Schuhmaterial sind bestimmte Temperaturen und Aufheizzeiten voreingestellt. Kunstleder wird in der Regel etwa drei Minuten erwärmt, echtes Leder rund fünf Minuten. Fußballschuhe werden meist bei Temperaturen zwischen 75 und 85 Grad behandelt, Skischuhe je nach Material bei bis zu 117 Grad.
Nach dem Erwärmen zieht der Sportler den Schuh unmittelbar an. Innerhalb weniger Minuten passt sich das Material an. Da der Prozess vergleichsweise schnell abläuft, reicht oft schon ein einzelnes Gerät, um mehrere Spieler vor dem Training oder Spiel zu versorgen. Für den mobilen Einsatz – etwa bei Auswärtsspielen – ist die Formbase mit einem Tragegriff ausgestattet.
Je nach Ausführung fasst das Gerät ein bis mehrere Paar Schuhe. Während bei Eishockeyschuhen meist nur ein Paar Platz findet, können bei Fußballschuhen durch eine zusätzliche Einlage zwei bis vier Paar gleichzeitig angepasst werden.
Marktstellung und Wirtschaftlichkeit
Die Technik selbst ist nicht patentiert. K-tech sieht seinen Wettbewerbsvorteil vor allem im langjährig aufgebauten Know-how und in der eigenen Fertigung. Versuche, das Gerät zu kopieren, seien bislang ohne Markterfolg geblieben. Das Unternehmen beschäftigt rund 50 Mitarbeiter und hat nach eigenen Angaben in den vergangenen 35 Jahren mehr als 700 Projekte umgesetzt.
Die reinen Materialkosten der Formbase liegen bei etwa 200 Euro. Mit Montage und internen Kosten ergeben sich Herstellungskosten von rund 300 bis 320 Euro. Der Verkaufspreis variiert je nach Ausstattung zwischen 500 und 850 Euro. Pro Jahr werden im Schnitt etwa 500 Geräte verkauft, in Spitzenjahren auch deutlich mehr. Der Jahresumsatz mit der Formbase liegt im niedrigen sechsstelligen Bereich.
Nutzen im sportlichen Alltag
Durch das gezielte Erwärmen verkürzt sich das Einlaufen neuer Schuhe erheblich. Druckstellen, Blasen und Schmerzen lassen sich reduzieren. Früher behalfen sich viele Sportler mit improvisierten Methoden, etwa durch Erwärmen auf Heizkörpern oder in Saunen. Heute gilt die thermische Anpassung als etablierter Standard, insbesondere im Profisport, wo Spieler regelmäßig neue Schuhe erhalten.
Aus Sicht der Vereine wird vor allem die Robustheit der Geräte geschätzt. Verbesserungsbedarf sehen Anwender gelegentlich beim Fassungsvermögen, wenn mehrere Spieler gleichzeitig neue Schuhe vorbereiten wollen.
