Kaltes Plasma: Neue Hoffnung für chronische Wunden

Chronische Wunden zählen zu den hartnäckigsten Herausforderungen in der Medizin – besonders beim sogenannten diabetischen Fußsyndrom. Viele Patientinnen und Patienten leiden monatelang unter offenen Stellen, die sich trotz moderner Wundbehandlung kaum schließen. Eine neue Studie der Herz- und Diabeteszentren Bad Oeynhausen und Karlsburg bringt nun Hoffnung: Die Behandlung mit kaltem Plasma kann die Wundheilung deutlich verbessern. Entwickelt wurde das medizinische Gerät dazu an der Universität Greifswald.

Was ist kaltes Plasma?

Plasma wird oft als der vierte Aggregatzustand bezeichnet – neben fest, flüssig und gasförmig. Es handelt sich dabei um ein ionisiertes Gas, das unter bestimmten Bedingungen entsteht. Während heißes Plasma etwa in der Sonne vorkommt, lässt sich kaltes Plasma bei Raumtemperatur erzeugen – etwa durch elektrische Entladung.

In der Medizin wird kaltes Plasma mithilfe spezieller Plasma-Stifte oder -Geräte erzeugt. Der ionisierte Gasstrahl enthält reaktive Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, die keimtötend wirken und dabei die Haut und das umliegende Gewebe nicht schädigen. Das macht es für die Wundbehandlung besonders interessant.

Die Studienlage: Bessere Heilung bei chronischen Wunden

In der aktuellen klinischen Studie an den spezialisierten Zentren in Bad Oeynhausen und Karlsburg wurden Patientinnen und Patienten mit chronischen Wunden am Fuß, insbesondere infolge von Diabetes, mit kaltem Plasma behandelt. Das Ergebnis: Die Wunden heilten signifikant schneller als bei herkömmlicher Wundversorgung allein.

Die Plasmaanwendung wurde in regelmäßigen Sitzungen durchgeführt – jeweils wenige Minuten pro Behandlung. Der Effekt zeigte sich bereits nach wenigen Wochen: Die Wunden verkleinerten sich messbar, Entzündungen gingen zurück, das Gewebe regenerierte sich sichtbar besser.

Besonders wichtig: Es traten keine Nebenwirkungen auf. Die Therapie war schmerzfrei und gut verträglich – auch bei älteren oder multimorbiden Patienten.

Wie wirkt das kalte Plasma?

Kaltes Plasma entfaltet seine Wirkung auf mehreren Ebenen:

  • Antimikrobiell: Es tötet Bakterien, Pilze und sogar multiresistente Keime zuverlässig ab – ohne die Haut zu reizen.
  • Entzündungshemmend: Die reaktiven Plasmabestandteile reduzieren Entzündungsprozesse im Gewebe.
  • Zellaktivierend: Das Plasma fördert die Durchblutung und stimuliert körpereigene Reparaturmechanismen.
  • Wundmilieu-regulierend: Es normalisiert den pH-Wert, reduziert Biofilme und unterstützt so die Heilung.

Diese Kombination ist besonders wertvoll bei chronischen, schlecht heilenden Wunden, wie sie bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Immunschwäche häufig auftreten.

Einsatzbereiche und Perspektiven

Neben dem diabetischen Fußsyndrom könnte kaltes Plasma künftig auch bei Dekubitus (Druckgeschwüren), venösen Ulcera, Operationswunden oder infizierten Hautstellen Anwendung finden. Erste Erfahrungen in der Dermatologie und Zahnmedizin zeigen ebenfalls positive Effekte – etwa bei Akne oder Parodontitis.

Die Technik dahinter wurde maßgeblich an der Universität Greifswald entwickelt und medizinisch weiterentwickelt. Der verwendete Plasma-Stift erlaubt eine präzise, örtlich begrenzte Behandlung – ohne Wärmeentwicklung oder invasive Eingriffe.

Noch nicht im Alltag – aber vielversprechend

Obwohl die Ergebnisse überzeugend sind, gehört die Kaltplasmatherapie bislang nicht zur Standardversorgung. In vielen Kliniken wird sie im Rahmen von Studien oder Zusatzangeboten eingesetzt. Eine Zulassung als Medizinprodukt liegt vor, die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen ist jedoch noch nicht flächendeckend geregelt.

Fachleute fordern nun größere Studien und eine breitere Integration in die Wundversorgung – besonders in spezialisierten Ambulanzen. Denn die bisherigen Resultate zeigen: Kaltes Plasma kann die Wundheilung nicht nur beschleunigen, sondern auch Lebensqualität verbessern.