
Ein stechender Schmerz zwischen den Zehen, das Gefühl, auf einem Stein zu laufen, oder ein Brennen unter dem Fußballen: Viele Betroffene denken zunächst an einen eingeklemmten Nerv – und liegen damit gar nicht so falsch. Hinter diesen Symptomen kann sich das Morton-Neurom (Morton-Neuralgie) verbergen, eine häufige, aber oft spät erkannte Ursache für Vorfußschmerzen.
Was ist ein Morton-Neurom?
Das Morton-Neurom – medizinisch auch interdigitales oder intermetatarsales Neurom genannt – ist eine gutartige Verdickung eines Nervs im Bereich des Vorfußes. Betroffen ist meist der Nerv zwischen dem dritten und vierten Mittelfußknochen. Durch Druck oder Reibung auf diesen Nerv kommt es zu einer Reizung und schließlich zu einer knötchenartigen Verdickung.
Obwohl es „Neurom“ genannt wird, handelt es sich nicht um einen Tumor, sondern um eine reaktive Gewebevermehrung, die durch dauerhafte Überbelastung oder Reizung entsteht.
Ursachen – was führt zum Morton-Neurom?
Die genauen Ursachen sind vielfältig, oft spielen mehrere Faktoren zusammen. Typische Auslöser sind:
- Enge Schuhe mit hohem Absatz, die den Vorfuß zusammendrücken
- Längeres Gehen oder Stehen auf harten Böden
- Überpronation beim Gehen oder Laufen (Fuß knickt zu stark nach innen ab)
- Fußfehlstellungen wie Spreizfuß oder Plattfuß
- Wiederholte Mikrotraumata, etwa durch Joggen oder Ballsportarten
Vor allem Frauen zwischen 30 und 60 Jahren sind häufiger betroffen – vermutlich aufgrund der Schuhmode.
Typische Symptome
Das Morton-Neurom entwickelt sich oft schleichend. Anfangs treten die Beschwerden nur gelegentlich auf, später können sie dauerhaft sein. Häufige Symptome:
- Brennender, stechender Schmerz im Vorfuß
- Gefühl von „Taubheit“ oder „Kribbeln“ zwischen den Zehen
- Eindruck, auf einem „Fremdkörper“ oder „Kieselstein“ zu laufen
- Schmerzzunahme beim Gehen, vor allem in engen Schuhen
- Spürbare Besserung beim Ausziehen der Schuhe oder beim Massieren des Vorfußes
In fortgeschrittenen Fällen kann das Gehen stark eingeschränkt sein.
Diagnose – so wird das Neurom erkannt
Die Diagnose erfolgt meist durch eine Kombination aus Anamnese, Tastbefund und bildgebenden Verfahren:
- Drucktest zwischen den Mittelfußknochen löst oft typische Schmerzen aus
- Ultraschall kann verdickte Nerven darstellen
- MRT (Magnetresonanztomographie) liefert eine sichere Darstellung des Neuroms und hilft, andere Ursachen auszuschließen
Wichtig: Die Symptome ähneln anderen Vorfußbeschwerden, etwa einem Metatarsalgie-Syndrom oder Gelenkentzündungen – daher ist die richtige Diagnosestellung entscheidend.
Behandlung – was hilft wirklich?
In den meisten Fällen beginnt die Therapie konservativ:
- Schuhanpassung: weite, flache Schuhe mit ausreichend Zehenfreiheit
- Einlagen mit Pelotte (Vorfußstütze), um die Mittelfußknochen zu entlasten
- Kortisoninjektionen zur kurzfristigen Schmerzlinderung
- Physiotherapie zur Lockerung der Fußmuskulatur
- Stoßwellentherapie in Einzelfällen
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommt als letzter Schritt eine operative Entfernung des Neuroms in Betracht. Dabei wird der betroffene Nerventeil entfernt oder entlastet. Die Erfolgsquote ist hoch, allerdings kann es nach der OP zu einem tauben Gefühl zwischen den Zehen kommen – meist ohne Schmerz.
Was können Betroffene selbst tun?
Wer die Diagnose Morton-Neurom erhalten hat oder erste Symptome verspürt, kann selbst viel zur Linderung beitragen:
- Schuhe mit breiter Zehenbox tragen
- Keine Absätze über 3 cm im Alltag
- Vorfuß regelmäßig kühlen und massieren
- Barfußlaufen auf weichem Untergrund zur Entlastung
- Druck durch Einlagen oder Polster reduzieren
Das Morton-Neurom ist zwar unangenehm, lässt sich aber meist gut behandeln – besonders, wenn es frühzeitig erkannt wird. Entscheidend ist, die Belastung des Vorfußes zu reduzieren und den Nerv dauerhaft zu entlasten. Wer aufmerksam auf seine Füße hört, kann größeren Beschwerden oft vorbeugen – Schritt für Schritt.
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