Ein Termin beim Facharzt ist für viele Patienten mit Wartezeiten verbunden. Nach Angaben der Bundesregierung lag die durchschnittliche Wartezeit für gesetzlich Versicherte im Jahr 2024 bei rund 42 Tagen, zwischenzeitlich sank sie durch Anpassungen im Vergütungssystem auf etwa 33 Tage. Aktuell wird jedoch wieder über steigende Wartezeiten diskutiert.

Wie das System funktioniert
In der gesetzlichen Krankenversicherung erfolgt die Bezahlung ärztlicher Leistungen innerhalb eines budgetierten Systems. Das bedeutet, dass für bestimmte Leistungen und Zeiträume feste Vergütungsrahmen gelten. Bis zu diesem Kostendeckel werden Behandlungen regulär bezahlt.
Werden diese Grenzen überschritten, kann es vorkommen, dass zusätzliche Leistungen nur eingeschränkt vergütet werden. Würden nur noch Termine vergeben, die tatsächlich vergütet werden, entfallen bis zu 40 Millionen Arzttermine pro Jahr, heißt es bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. So kann es zu längeren Wartezeiten für Patienten kommen. Für Facharztpraxen sei es jedoch wichtig, ihre Kapazitäten so zu planen, dass medizinische Versorgung und wirtschaftlicher Betrieb im Gleichgewicht bleiben.
Unterschiedliche Abrechnungssysteme
Neben der gesetzlichen Krankenversicherung existiert in Deutschland die private Krankenversicherung. Beide Systeme unterscheiden sich in ihrer Abrechnung:
- In der gesetzlichen Versicherung erfolgt die Vergütung über pauschalierte und budgetierte Strukturen
- In der privaten Versicherung werden Leistungen in der Regel einzeln nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet
Diese unterschiedlichen Systeme führen zu verschiedenen organisatorischen Abläufen in den Praxen, ohne dass daraus automatisch eine Bewertung abgeleitet werden kann.
Rolle der Hausärzte und Terminservicestellen
Hausärzte übernehmen häufig eine koordinierende Funktion. Sie stellen Überweisungen aus und helfen dabei, Patienten gezielt an Fachärzte weiterzuleiten. Ergänzend gibt es Terminservicestellen, die bei der Vermittlung unterstützen.
Diese Instrumente sollen den Zugang zur fachärztlichen Versorgung verbessern. Ihre Wirkung hängt jedoch auch davon ab, wie viele Termine tatsächlich zur Verfügung stehen.
Was bedeutet das für Patienten?
Für Patienten hängt die Terminverfügbarkeit von mehreren Faktoren ab:
- regionale Versorgungssituation
- Auslastung der Praxen
- organisatorische Rahmenbedingungen
Wer flexibel ist, etwa bei der Terminwahl oder bei der Auswahl der Praxis, kann oft schneller einen Termin erhalten. Auch Vermittlungsangebote können helfen, Wartezeiten zu verkürzen.
Der Reformdruck wächst
Die aktuellen Diskussionen um längere Wartezeiten fallen in eine Phase, in der die Politik über strukturelle Veränderungen im Gesundheitssystem nachdenkt. Vorschläge zu Budgetkürzungen wie die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (SPD) zielen darauf ab, Abläufe zu vereinfachen, Zugänge zu steuern und die Versorgung effizienter zu organisieren.
Im Zentrum steht dabei die Frage, wie vorhandene Kapazitäten besser genutzt werden können, ohne die Qualität der medizinischen Versorgung zu beeinträchtigen.
